Brasilien, so sonnig, so warm, so weit! Nach dem Grenzübertritt bei Iguazu ist alles anders: Im Vergleich zu Argentinien ist die Auswahl im Supermarkt beachtlich größer! Wir fahren in Richtung Florianopolis, weil unser Lonely Planet davon schwärmt und es auf der Karte ganz nett aussieht. Nach 2 Nächten an Tankstellen hätte der Weg nach Florianopolis bedeutet, nochmals 300 km doppelt zu fahren. Also entschließen wir uns auf dem Weg lieber direkt Richtung Norden zu fahren. Das Navi ist ein Schelm - es macht keinen Unterschied zwischen Teer, Schotter und „Garnix“. Wir steuern den nächsten Campingplatz an, denn Dusche und Kochen auf gemanagtem Grund sind erwünscht! Der direkte Weg führt durch den Jungle, durch Bananenplantagen und jede Menge anderem Gestrüpp. In Mitten der fast unwegsamen Straßen befindet sich ein abgelegener Campingplatz: Unsere erste Nacht im Jungle - SAUCOOL!

In Porto Grande bei Meaipu schlafen wir in einer Poussada mit Camping. Unsere Gastgeber Marco und Claudia können es nicht mit ansehen, wie wir im Auto schlafen und geben uns ihre Mini-Suit ohne Aufpreis zum Camping. Die „Suit“ bietet lediglich ein eigenes Badezimmer, ähnelt aber ansonsten eher einem Hotel Zimmer (Kathrin würde lieber „zu Hause“ schlafen, denn der Landy ist mittlerweile zum Heim geworden). Das Angebot, mit ihrem Kanu auf dem vor der Haustür befindlichen See eine Ausfahrt zu machen, nehmen wir dankend an: Endlich wieder etwas Bewegung nach all den runtergerockten Kilometern! 

Bei Abreise bekommen wir noch ein Gastgeschenk in Form eines Strauches Bananen und einiger Handball großer Avocados.

Auf dem Weg nach Norden fahren wir durch Salvador. Hier kann ich die „Kisten-Situation“ nochmals aufgreifen. Der Mangel an portugiesischer Sprachkenntnis lässt mich jedoch wieder scheitern. Diese „Kisten-Sache“ habe ich jetzt mental schon abgeschlossen und alles weitere wird somit dem Zufall überlassen. Weiter und weiter in Richtung Norden kommen wir an einem Campingplatz in Aracaju an. Mir fällt sofort der Camper mit Düsseldorfer Kennzeichen auf: Es war der Wagen von Bea und Dirk, die wir in Süd-Ost Argentinien getroffen hatten. Damals erzählten sie uns, dass das Auto an einen witzigen Typen aus Deutschland gehen wird: Michael. 

Michael reist gerade ein Stück mit Raul, Yadira und Patron, einer Crew aus Venezuela. Die warme Gastfreundschaft und die abendlichen Caipirinha-Exzesse schweißen zusammen. Die Venezuela-Connection reist mit einem selbst umgebauten IVECO, 7 Tonnen, Motorrädern hinten drauf und einer Küche mit mehr als nur einer Flamme am Gasherd. Man sitzt zusammen und unterhält sich übers Reisen, sodass unsere schnellen Reisepläne mit Verschiffung nach Panama und Rückreise über New York einheitlich als viel zu schnell abgestempelt werden. Eine Nacht wird über die Denkanstöße nachgedacht und schließlich das viele Kilometerfressen abgebrochen, zu Gunsten einer gemächlicheren Reisegeschwindigkeit und natürlich der WM. Die Fahrt nach Norden mit Verschiffen wäre ein Abenteuer, welches sicher unvergesslich ist, jedoch auch irgendwann später noch nachgeholt werden kann… die WM 2014 jedoch nicht! Also muss das Auto am Ende in Uruguay geparkt werden - und so mehr Zeit für alles.

Da ist man so im Gespräch über dies und das, da kommt plötzlich das Thema der Kisten wieder auf. Raul wird mir helfen, die Dinger zu besorgen: Was für ein Zufall! Zusammen finden wir einen Fenstermacher, der die maßgeschneiderten Alu-Kisten baut; nämlich aus Tränenblech: TOP! Das bedeutet mehr Platz im Auto, für die jetzt dann doppelt so gemütliche Reise. Wir entscheiden uns, die 5 Tage Bauzeit für die Kisten mit dem charismatischen Trio zu verbringen. Am Praia do Gunga genießen wir gemeinsam einen wahnsinnig schönen Strand, freies Campen und eine unglaubliche Aussicht. Raul und Co möchten weiterfahren, stellen aber fest, dass die Abfahrt zum Strand auf dem Rückweg etwas zu steil für ihr 7 Tonnen Monster ist. Wir helfen gerne und ziehen unterstützend den Koloss mit dem Landy in der Untersetzung im 2. Gang (und ab und an durchdrehenden Reifen) den Berg hinauf. Nicht das erste mal, dass wir jemanden am Haken haben: Schon drei mal konnten wir auf dieser Reise jemandem aus der Patsche helfen. Karma: Man bekommt das zurück, was man gibt.

 

 

 

 

 

 

Weil man nicht den gleichen Weg nach oben wie nach unten nehmen will, beschließen wir über Chile nach Norden zu fahren. Das tückische Navi schickt einen über alle möglichen Straßen - der kürzeste Weg führt über die Ruta 40 mit all ihren Schotter -„Desvio“s (Umleitungen). Wir können es kaum glauben, während wir so dahin schottern, fängt es an zu nieseln, auf einmal SCHNEE. Weil die Piste mal wieder mehr schlechter Schotter als guter war, kommen wir erst spät in der Nacht in einem Ort vor Los Antiguos an. Zu kalt um im Auto zu schlafen, doch es gab nur ein Zweibettzimmer: Besser als Minus-Temperaturen. 

Am darauffolgenden Tag sieht man das Schmutzwerk am Wagen. Die in den Papieren eingetragene Autofarbe „grün“, würde uns nun keiner mehr abkaufen. Eine Mischung aus grauem Schlamm und Eis bedeckt das komplette Auto von oben bis unten. In Los Antiguos, am Lago Buenos Aires (an der Grenze zu Chile), wird eine weitere Meinung zum erneuten Ölverlust eingeholt und die Karre gleich darauf gekärchert.

Wir schlafen in einem Hostel kurz vor Ortsende. Zwei Reisende, David, ein Amerikaner, der mit seiner holländischen Begleitung in einem nicht umgebauten Landcruiser unterwegs ist, gibt uns hilfreiche Tipps. Er ist schon viele Jahre Reisender und seine Reisegeschwindigkeit ist im Vergleich zu unserer „gründlich“. Was soviel bedeutet, wie: Er Reist langsam und ausgiebig. Informationen sprudeln nur so aus ihm heraus. Wir nehmen so viel mit wie möglich, müssen jedoch feststellen, dass man in der kurzen Zeit einfach nicht alles machen kann - also weiter mit den Tipps im Hinterkopf. Einer dieser Tipps war, den Pass von Chile Chico aus gemütlich angehen zu lassen, eine Panoramafahrt würde uns erwarten. Es traf zu: Nach wenigen Kurven überfahren wir eine Kuppe. Es öffnet sich ein Blick auf den Lago Buenos Aires mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund und das alles bei strahlendem Sonnenschein. I Like. Was wir jedoch nicht „liken“, ist die Kälte und Feuchte Süd Chiles zu dieser Jahreszeit. Wir haben es wirklich versucht und kommen schnell wieder zur gleichen Schlussfolgerung: „Man kann nicht ALLES machen“.

Also auf nach Norden und zwar so direkt wie möglich! Vielleicht noch was besorgen auf dem Weg.

Seitdem ich noch mehr Ersatzflüssigkeiten und weitere Ersatzteilchen mitschleppe, wird immer weniger Platz im Auto. Eine Lösung muss her! Dachkiste wäre top, Seitenkiste für das ganze Öl und des Landys täglich Getriebeölcheck-Zubehör noch topper. Weder in Süd Chile noch in Argentinien kann man mir da weiter helfen. Mir fallen schon ab und an Sätze aus dem Mund, wie: „Die haben keine Kisten, keinen richtigen Baumarkt, nix 4x4-Shop, die haben nur Assado im Kopf! Na gut, das können sie!“. Nach dem Abklappern sämtlicher Lokalitäten auf dem Weg nach Norden, geben wir in Mendoza die Suche auf und konzentrieren uns hier am Ostersonntag auf das Wesentliche. In Argentinien bedeutet das: Einen schönen Grilltag in Mitten anderer grillwütiger Einheimischer. Am nächsten Tag ist es grau, es regnet und - es soll weiter regnen. Statt der Besichtigung eines Weinguts fahren wir weiter Richtung Wärme! Wie in Windeseile erreichen wir mal wieder, nach einem ausgiebigen Asphalt-Umleitungs-Schottermix, Iguazu. Am letzten Tag allein sind wir 1000km gefahren! Auf Costa Ramon’s Campingplatz genießen wir ein wenig den Blick auf den Rio Uruguai und entspannen ein paar Tage bis zu meinem Geburtstagssteak.  Am letzten Tag Iguazu unternehmen wir ein typisches Touriprogramm inklusive Wasserfall-Watching und Speedboot-in-Wasserfall-Fahrt. Super nass, super Spaß!

Jetzt, nach 11000 km auf dem Südamerikanischen Kontinent, freuen wir uns richtig auf Brasilien.

 

 

 

 

 

 

 

Wir machen uns nun auf in Richtung Rio Grande, um den Landy reparieren zu lassen. Stur nach dem Navi kommt erst die Chilenische Grenze, dann eine Fährfahrt und danach gleich nochmal eine Grenze, die wieder zurück nach Argentinien führt. Nach der Fährfahrt ist man übrigens offiziell schon auf Feuerland. In Rio Grande erst mal den Land-Rover-Partner finden, der uns einen Kostenvoranschlag von 9000 Pesos macht.

Zwei Nächte Hotelaufenthalt und 9900 Pesos später war der Landy wieder heil - der Freundliche vom letzten Service muss wohl n Liter zu viel Öl in’s Getriebe gekippt haben. Der Dichtring an der Welle vom Verteilergetriebe war hin. Dumme Sache.

Jetzt auf nach Ushuaia. Schlagartig verändert sich die platte Einöde, in der Kühe und Schafe weiden, in eine Art Alpenpanorama. Vorbei an idyllischen Seen durch eine Passstraße gelangt man an den Ort am Ende der „Ruta 3“. Am nächsten Tag besuchen wir den Nationalpark um ans „End of the Road sign“ zu fahren. Mit dem Eintritt vom Park hat man 48 Stunden Aufenthalt, die bleiben wir auch. Man wird belohnt: Wahnsinns Landschaft!  Wie viele andere machen wir das obligatorische Foto am Schild, am „fin del mundo“ - am „Ende der Welt“. 

Nach zwei Nächten Campen in der unberührten Natur wollen wir weiter, jedoch nicht ohne ein Asado gemacht zu haben. Argentinisches Grillfleisch = „Beste“.

 

 

 

 

 

 

 

Auf dem Weg nach Ushuaia haben wir den District Buenos Aires verlassen. Nach einer unverhofften Nachtfahrt mit mindestens gefühlten 10 Kontrollen, bei denen es um „carne y fruta?“ ging, kommen wir am Rio Negro an. Der Campingplatz ist zu; für Kathrin und mich ist das Motel neben an dann auch ok, mal wieder eigenes Klo und Dusche. Früh, früh los und weiter nach Süden, abends in Porto Madryn treffen wir Bea und Dirk, die eben am Ende ihrer Reise sind. Im Vergleich zu uns reisen sie komfortabel in einem Mercedes LKW mit allem drum, dran und drin, was zu einem Wohnmobil gehört. Wir haben vielleicht nicht den Komfort, jedoch die besseren Reifen bzw. Allrad und kommen mit dem Schotter sicher etwas besser zurecht. Die beiden geben uns gute Tipps für alles mögliche. Z.B. einen Kontakt zu jemanden, der jemanden kennt…   der… ne Werkstatt…  (ja der Landy macht schon wieder mucken, Getriebe tropft).

 

 

Am nächsten Tag geht es auf die Halbinsel Valdes Pinguine, Wale und Seelöwen gucken. Wale sind leider nicht zu sehen… nicht die Saison.  Es war mal wieder eine Spontanentscheidung, morgens wieder relativ spät los. Erst halb 12 am Park-Eingang angekommen. Die Zeit konnten wir auf der Schotterpiste wieder gut machen. An diesem Tag sind wir Minimum 180 km pur Schotter gefahren. Nach einer kurzen Nacht im Park an der Tankstelle geht es weiter. Wir nehmen den Rat an und fahren nach Punta Ninfas, um näher an die Tiere heranzukommen. Jetzt zahlt es sich wirklich aus ein 4x4 Fahrzeug mit viel Bodenfreiheit zu haben, wo andere mit 20km/h und weniger zuckeln, huscht der Defender über die Piste als wäre es Asphalt. 200km Schotter, Stock und Stein später, klettern wir die Klippe hinab und erleben Seeelefanten aus nähester Nähe. An der einsamen Küste kann man super wild campen. Ein wahnsinns Sonnenaufgang ist die Belohnung für den beschwerlichen Weg.

Trotz des komplett verstaubten Wagens, ist ein Teil nicht verstaubt - das Verteilergetriebe sifft weiter fröhlich vor sich hin, also los zu einer Werkstatt. Der Mechaniker in Trelew mit Landrover KnowHow war nicht da, naja, dann eben weiter nach Comodoro Rivadavia. Laut dem argentinischen Land Rover-Forum sollte da jemand Ahnung haben, auch der war nicht anzutreffen.

Das Verteilergetriebe war inzwischen trocken, entweder war jetzt alles dicht oder was eher der Fall war, es war leer. Nach kurzem Rat von einer x-beliebigen Werkstatt und über 2 Liter Getriebe Öl später, fällt der Entschluss, das machen wir in Rio Grande auf Feuerland, bei einer Land Rover-Vertragswerkstatt… bis dahin wird eben immer mal wieder Getriebeöl nachgeschüttet. Ärgerlich.

 

Erst mal wieder alles organisieren, waschen, Campingplatz, Asado (Grillen). Das selbst gegrillte Bife de Lomo ist eben doch das Beste. Dann wieder weiter auf den Pisten Patagoniens Richtung Süden.