Weil man nicht den gleichen Weg nach oben wie nach unten nehmen will, beschließen wir über Chile nach Norden zu fahren. Das tückische Navi schickt einen über alle möglichen Straßen - der kürzeste Weg führt über die Ruta 40 mit all ihren Schotter -„Desvio“s (Umleitungen). Wir können es kaum glauben, während wir so dahin schottern, fängt es an zu nieseln, auf einmal SCHNEE. Weil die Piste mal wieder mehr schlechter Schotter als guter war, kommen wir erst spät in der Nacht in einem Ort vor Los Antiguos an. Zu kalt um im Auto zu schlafen, doch es gab nur ein Zweibettzimmer: Besser als Minus-Temperaturen. 

Am darauffolgenden Tag sieht man das Schmutzwerk am Wagen. Die in den Papieren eingetragene Autofarbe „grün“, würde uns nun keiner mehr abkaufen. Eine Mischung aus grauem Schlamm und Eis bedeckt das komplette Auto von oben bis unten. In Los Antiguos, am Lago Buenos Aires (an der Grenze zu Chile), wird eine weitere Meinung zum erneuten Ölverlust eingeholt und die Karre gleich darauf gekärchert.

Wir schlafen in einem Hostel kurz vor Ortsende. Zwei Reisende, David, ein Amerikaner, der mit seiner holländischen Begleitung in einem nicht umgebauten Landcruiser unterwegs ist, gibt uns hilfreiche Tipps. Er ist schon viele Jahre Reisender und seine Reisegeschwindigkeit ist im Vergleich zu unserer „gründlich“. Was soviel bedeutet, wie: Er Reist langsam und ausgiebig. Informationen sprudeln nur so aus ihm heraus. Wir nehmen so viel mit wie möglich, müssen jedoch feststellen, dass man in der kurzen Zeit einfach nicht alles machen kann - also weiter mit den Tipps im Hinterkopf. Einer dieser Tipps war, den Pass von Chile Chico aus gemütlich angehen zu lassen, eine Panoramafahrt würde uns erwarten. Es traf zu: Nach wenigen Kurven überfahren wir eine Kuppe. Es öffnet sich ein Blick auf den Lago Buenos Aires mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund und das alles bei strahlendem Sonnenschein. I Like. Was wir jedoch nicht „liken“, ist die Kälte und Feuchte Süd Chiles zu dieser Jahreszeit. Wir haben es wirklich versucht und kommen schnell wieder zur gleichen Schlussfolgerung: „Man kann nicht ALLES machen“.

Also auf nach Norden und zwar so direkt wie möglich! Vielleicht noch was besorgen auf dem Weg.

Seitdem ich noch mehr Ersatzflüssigkeiten und weitere Ersatzteilchen mitschleppe, wird immer weniger Platz im Auto. Eine Lösung muss her! Dachkiste wäre top, Seitenkiste für das ganze Öl und des Landys täglich Getriebeölcheck-Zubehör noch topper. Weder in Süd Chile noch in Argentinien kann man mir da weiter helfen. Mir fallen schon ab und an Sätze aus dem Mund, wie: „Die haben keine Kisten, keinen richtigen Baumarkt, nix 4x4-Shop, die haben nur Assado im Kopf! Na gut, das können sie!“. Nach dem Abklappern sämtlicher Lokalitäten auf dem Weg nach Norden, geben wir in Mendoza die Suche auf und konzentrieren uns hier am Ostersonntag auf das Wesentliche. In Argentinien bedeutet das: Einen schönen Grilltag in Mitten anderer grillwütiger Einheimischer. Am nächsten Tag ist es grau, es regnet und - es soll weiter regnen. Statt der Besichtigung eines Weinguts fahren wir weiter Richtung Wärme! Wie in Windeseile erreichen wir mal wieder, nach einem ausgiebigen Asphalt-Umleitungs-Schottermix, Iguazu. Am letzten Tag allein sind wir 1000km gefahren! Auf Costa Ramon’s Campingplatz genießen wir ein wenig den Blick auf den Rio Uruguai und entspannen ein paar Tage bis zu meinem Geburtstagssteak.  Am letzten Tag Iguazu unternehmen wir ein typisches Touriprogramm inklusive Wasserfall-Watching und Speedboot-in-Wasserfall-Fahrt. Super nass, super Spaß!

Jetzt, nach 11000 km auf dem Südamerikanischen Kontinent, freuen wir uns richtig auf Brasilien.